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Timo Boll: "Olympia-Verschiebung für viele bitter"

Sportschau
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Im Interview mit dem WDR erzählt Tischtennis-Star Timo Boll, wie er die Corona-Krise erlebt. Außerdem äußert sich der Fahnenträger von 2016 zur Olympia-Absage.

wdr.de: Timo, aufgrund der Coronakrise müssen die meisten Sportler, auch Sie, zuhause bleiben. Wie sieht ihr Alltag aktuell aus?

Timo Boll: Allzu lange sollte man nicht pausieren, um nicht einzurosten. Fitnesstraining mache ich die ganze Zeit. Seit unserem letzten Bundesliga-Spiel, habe ich den Schläger jedoch nicht mehr in der Hand gehabt. Ich habe auch keine Platte zuhause außer einer Gartenplatte. An dieser kann man nicht professionell trainieren. Ein bißchen Gedanken mache ich mir schon, falls dieser Zustand längere Zeit andauert, ob ich mir dann eine Platte organisiere.

Ich habe zuhause einen Billardtisch, der müsste dann abgebaut werden. Das wäre der einzige Platz, wo es bei uns zuhause möglich wäre, einen Tischtennis-Tisch aufzustellen. Irgendwann muss man aber wieder gegen den Ball hauen.

Boll: Wir wissen alle nicht genau, wie es weitergeht. Man muss sehr flexibel sein im Moment. Ich bin wie ein Herdentier, ein Schaf, dass der Herde einfach folgt. Ich habe nicht versucht, irgendwelche Sonderregelungen für mein Training zu finden, sondern versuche vorbildlich zu sein und zuhause zu bleiben.

Wie der Stand für die kommenden Wettkämpfe ist und wann wir wieder starten, steht in den Sternen. Ich versuche, dem Körper die Zeit zu geben, zu regenerieren. Denn, wenn es wieder losgeht, wird viel nachgeholt und in den Terminkalender reingepresst. Das wird heftig.

Im Juni soll noch die von März verschobene WM in Südkorea stattfinden. Glauben sie, das ist angesichts von Corona realistisch?

Boll: Ich bin sehr skeptisch. Wenn Olympia im Juli verschoben wurde, kann ich mir nicht vorstellen, dass dann im Tischtennis eine Großveranstaltung im Juni stattfindet. Das würde mich sehr überraschen. Ich denke, sie wird nochmal nach hinten verlegt. Ich habe allerdings wenig Kontakt zum Weltverband gehabt und kenne die Planung nicht genau.

Sie sprechen das andere Großereignis, die Olympischen Spiele, an. Diese sind auf 2021 verschoben wurden. Eine richtige Entscheidung?

Boll: Die richtige Entscheidung war es auf jeden Fall. Der Fair-Play-Gedanke, wofür auch die Olympischen Spiele stehen, wäre überhaupt nicht mehr gegeben gewesen. Manche trainieren ganz normal wie in Japan oder China. In anderen Staaten geht überhaupt nichts. Und ob man im Juli so ein Großereignis hätte durchführen können, wage ich zu bezweifeln. Ich hätte fast gedacht, dass das IOC auf 2022 geht. Ich hoffe natürlich, dass es 2021 dann klappt.

Nun sind Sie Vollprofi, bei Olympia starten jedoch auch ganz viele Halbprofis oder Amateure. Trifft es diese Sportler mehr?

Boll: Für sie ist das ganz, ganz bitter. Ich kenne viele Olympioniken. Ich weiß, dass nicht alle Profis sind und eventuell ihren Job zurückgestellt haben. Die haben alles auf Juli und August gesetzt. Viele haben geplant, im September wieder anzufangen zu arbeiten. Für diese Leute ist die Verlegung eine absolute Katastrophe. Da muss jeder individuell sehen, wie er die Verlegung deichselt. Ich hoffe, dass jeder für sich eine gute Lösung findet. Ich kann mich als Vollprofi natürlich besser anpassen.

Boll: Schwierig zu sagen. Man muss abwarten, wie das ganze nächste Jahr abläuft. Ob es in der Liga Geisterspiele geben kann, wann wieder Großveranstaltungen möglich sind. Ich bin aktuell noch sehr entspannt, da ich glaube, dass sich das (kein Sport wegen Coronavirus, Anm. der Redaktion) noch etwas hinziehen wird.

Wenn der Startschuss zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs fällt, werden viele Turniere nachgeholt und man ist quasi im Dauereinsatz. Es gilt, sich so gut wie möglich darauf vorzubereiten. Ich hänge jetzt auch ständig an den Nachrichten und informiere mich. Es gibt aber aktuell Wichtigeres als den Sport, insofern ordne ich mich jetzt erstmal ein.

Boll: Ich hoffe, in einem Jahr ändert sich nicht so viel bei mir. Eine Medaille mit der Mannschaft ist das Mindestziel gewesen. Im Einzel wäre es toll, wenn das ebenfalls gelingt. Natürlich werde ich wieder etwas älter sein. Aber ich hatte in letzter Zeit wenig Verletzungen und habe auf einem hohen Niveau gespielt. Deshalb bin ich guter Dinge.  



Quelle: Sportschau



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