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Rodel-WM in Sotschi: Schwierige Aufgabe für erfolgsverwöhnte deutsche Rennrodler

Sportschau
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Wenn in dieser Woche in Sotschi um Rodel-WM-Medaillen gefahren wird, zählen auch die deutschen Athleten zu den Mitfavoriten. Ein Teamcheck.

Am kommenden Wochenende (14.-16.2.2020) findet im russischen Sotschi die 49. Rennrodel-Weltmeisterschaft statt. Das "Sliding Centre Sanki" oberhalb von Krasnaja Poljana genießt in Rennrodel-Kreisen einen ausgezeichneten Ruf. Es ist das zweite große Ereignis auf dieser Kunsteisbahn im Rennrodeln nach den Olympischen Winterspielen 2014.

Bundestrainer Norbert Loch geht nicht davon aus, das überragende Ergebnis der Heim-WM 2019 in Winterberg zu toppen, stellt aber gewohnt hohe Erwartungen an das deutsche Team: "Wir haben dieses Jahr keine Heim-WM, und wir sind auf einer Bahn, die sicherlich nicht einfach ist. Trotzdem werden wir hoffentlich auch auf der Olympiabahn von 2014 um die Medaillen mitfahren. Das erklärte Ziel ist es, in jeder Disziplin eine Medaille zu gewinnen. Das wird bei den Herren sicherlich verdammt schwer, aber vor allem Felix (Loch) und Johannes (Ludwig) haben das Zeug dazu, und deshalb müssen wir auch mit dem Anspruch herangehen, eine Medaille zu gewinnen."

Besagter Felix ist Felix Loch, der 30-jährige Sohn des Cheftrainers. Auf ihn richten sich wieder alle Blicke. Sechs WM-Titel im Einsitzer hat er in seiner beispiellosen Karriere bereits gewonnen, dazu sechs weitere im Team-Wettbewerb und einen Titel im Sprint. Macht summa summarum 13, hoffentlich in diesem Jahr kein schlechtes Omen.

Denn: in der laufenden Weltcup-Saison stand er als Zweiter in Whistler und Dritter in Altenberg nur zwei Mal auf dem Podium; einen Sieg hat er noch gar nicht feiern dürfen. Die Russen, Österreicher und der Italiener Dominik Fischnaller haben die Siege unter sich aus gemacht. Zuletzt bei den Weltcups in Sigulda und Oberhof gewann allerdings zwei Mal in Folge der Bronzemedaillengewinner von PyeongChang 2018 Johannes Ludwig.

Dennoch reiste Felix Loch vergangene Woche voller Optimismus zur Trainingswoche und den anschließenden Wettkämpfen nach Russland. Nach eigener Aussage hat er in diesem Winter - nach drei Saisons voller Experimente an seinem Rennrodel und verschiedenen Laufschienen-Tests - ein siegbringendes Setup für seinen Schlitten gefunden.

Mit "Altmeister" Georg Hackl an seiner Seite hat sich Felix Loch in jüngerer Vergangenheit immer wieder ausgetauscht und scheint nun mit der Wahl seiner Laufschienen wieder in die Erfolgsspur zurückfinden zu können. In Sigulda (Lettland) hat ihn zwar ein katastrophaler Fahrfehler im zweiten Lauf einen möglichen Podestplatz gekostet. In Oberhof war er bei immer schlechter werdenden Bahnbedingungen in Durchgang eins als Neunter einfach zu schnell unterwegs, fuhr im zweiten Lauf mit hoher Startnummer bei nachlassenden Bahnverhältnissen dennoch eine Top-Zeit, die für ihn Platz fünf bedeutete.

Dennoch sieht der dreimalige Olympiasieger Georg Hackl die russischen Herren als klare Favoriten für die Weltmeisterschaft in Sotschi an. Der Heimvorteil von unzähligen Trainingsfahrten könnte hier den Ausschlag geben.

Die weiteren deutschen Starter Sebastian Bley und Max Langenhan dürften wohl eher nicht um die Medaillenvergabe mitsprechen.

Bei den Damen wird zum ersten Mal seit zehn Jahren die Weltmeisterin nicht Tatjana Hüfner oder Natalie Geisenberger heißen. Tatjana Hüfner, die mit fünf WM-Einzel-Titeln erfolgreichste Rennrodlerin, hat ihre Karriere nach der vergangenen Saison beendet. Olympiasiegerin Natalie Geisenberger legt eine Baby-Pause ein. Die Miesbacherin hatte ja die beiden WM-Titel im Einsitzer und im Sprint in Winterberg 2019 gewonnen.

Das Duell lautet hier: Julia Taubitz gegen die Russin Tatjana Iwanowa. Beide gewannen zusammen neun von zehn Weltcups in diesem Winter, wechselten sich munter als Spitzenreiterinnen der Gesamtwertung ab und mussten zuletzt nur einmal einer anderen den Vortritt lassen. Das geschah in Oberhof, als Anna Berreiter sich und alle anderen mit ihrem Premierensieg überraschte. Die 20-Jährige zählt ebenso wie Viktoria Demtschenko, im Winter 2018/2019 im Weltcup Doppelsiegerin (Einsitzer und Sprint) von Sotschi, zum Kreis der Medaillenanwärterinnen.

Auch die dritte deutsche Teilnehmerin , die für den WSC Winterberg startenden Cheyenne Rosenthal (19 Jahre) könnte eventuell in der Wertung der U23-Kategorie in die Medaillenränge fahren. Für die Junioren-Weltmeisterin von 2019 käme eine Medaille im Feld der Routinierten und Arrivierten aber einer Sensation gleich.

Fünf Mal in Folge gewannen zuletzt Deutsche Doppelsitzer-Paarungen bei einer Weltmeisterschaft die Goldmedaille. 2017 und 2019 Toni Eggert/Sascha Benecken, davor drei Mal in Serie Tobias Wendl/Tobias Arlt. Mit dieser Dominanz könnte es in Sotschi nun vorbei sein. Die russischen Doppelsitzer werden allgemein auf ihrer Heimbahn als "bärenstark und ultraschnell" eingeschätzt.

Im Vorjahr sausten die russischen Doppelsitzer auf heimischen Eis in die WM Favoritenrolle. Bei den "Schlittenfestspielen am Schwarzen Meer" gewannen Denisev/Antonov sowohl in der olympischen Disziplin als auch im Sprint. Die U23-Weltmeister Wsewolod Kaschkin/Konstantin Korschunow kamen im Weltcup auf Rang drei vor ihren Landsleuten Wladislaw Juschakow/Jury Prochorov.

Allerdings präsentierten sich die zweimaligen Olympiasieger Wendl/Arlt in diesem Winter so konstant stark wie lange nicht mehr. Man habe auf Materialexperimente verzichtet, lautet die einfache Erklärung. "Unsere Form stimmt, wir freuen uns auf die WM", sagte Tobias Wendl nach dem zweiten Saisonsieg und dem siebten Podestplatz der Saison 2019/20 vor kurzem in Oberhof.

An das Sliding Center Sanki hat der "Bayern-Express" ohnehin gute Erinnerungen, bei Olympia 2014 gewann das Duo Gold im Doppelsitzer und in der Staffel. Im Jahr danach sprang auch noch EM-Gold in Sotschi heraus.

In Sotschi dagegen noch ohne Medaille sind die Titelverteidiger von 2019, Toni Eggert/Sascha Benecken, die aber zum Weltcup-Finale der vergangenen Saison mit Platz zwei im normalen Rennen und Rang drei im Sprint ihr Potential im Sanki Sliding Center zeigen konnten.

Auch hier gilt für das dritte deutsche Doppelsitzer-Paar Robin Geueke und David Gamm (beide Winterberg), sich so teuer wie möglich verkaufen und Erfahrungen sammeln für die kommende Aufgaben. Eine Medaille wäre eine
Riesen-Überraschung.

Die Entscheidung der WADA (Welt Anti Doping Agentur) vom 9.12.2019, dass Russland keine Großereignisse wie zum Beispiel eine WM ausrichten darf, hat keine Auswirkung auf die jetzt anstehende Rennrodel-Weltmeisterschaft. Denn Russland hat gegen diese Sperre vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS einen Einspruch eingelegt. Somit sah sich der Internationale Rennrodelverband außer Stande, diese Weltmeisterschaft abzusagen, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt.

Außerdem wäre es in der Kürze der Zeit schwierig geworden einen anderen Ausrichter zu finden. Die Dopingkontrollen vor Ort sollen übrigens von einem unabhängigen Unternehmen durchgeführt werden, nicht von der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA.

Am Freitag (14.02.2020) geht es los mit den Entscheidungen im Sprint. Am Samstag (15.02.2020) sind zuerst die Doppelsitzer und dann die Frauen an der Reihe, am Sonntag (16.02.2020) folgen die Männer ehe der Team-Wettbewerb den Abschluss der 49. Rennrodel-Weltmeisterschaft bildet.



Quelle: Sportschau



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