Weltmeister MEHR Bayern München Interview Fußball

Nach Höwedes-Rücktritt: Was wurde aus den Weltmeistern von 2014?

Sportschau
0

Mit Benedikt Höwedes hat kurz nach André Schürrle der nächste Nationalspieler seinen Rücktritt verkündet. Sieben Weltmeister von 2014 haben damit bereits ihre Karriere beendet - es könnten schon bald noch mehr sein.

Miroslav Klose war der erste: 2016 beendete der WM-Rekordtorschütze und heutige Co-Trainer des FC Bayern München seine Karriere. Seitdem folgten Klose sechs weitere Weltmeister in den Fußball-Ruhestand. Philipp Lahm beendete 2017 seine Karriere und ist nun der Chef des Organisationskomitees für die EM 2024 in Deutschland.

Roman Weidenfeller und Per Mertesacker hörten 2018 auf, Bastian Schweinsteiger, jetzt Sportschau-Experte, 2019. Und nun eben André Schürrle und Benedikt Höwedes. Höwedes ist 32 Jahre alt, Schürrle gar erst 29 Jahre ? es sind die bisher überraschendsten Rücktritte der Weltmeister-Generation von 2014, zumal beide wohl noch Angebote hatten, um weiterzuspielen.

Aber sie wollten nicht mehr. "Ich wusste, dass es in dem Geschäft knallhart zugeht. Aber ich hatte immer nur die Sonnenseite kennengelernt. Dann habe ich die volle Breitseite bekommen", sagte der langjährige und später ausgebootete Schalker Höwedes heute in einem Interview mit dem Nachrichten-Magazin "Spiegel" zu seinem Rücktritt. "Der Fußball hat sich brutal entwickelt. Und sich dabei immer weiter distanziert von den normalen Fans." Er wolle sich nun mehr auf seine Familie konzentrieren.

Auch Schürrle hatte vor wenigen Wochen Kritik am Fußballgeschäft geübt: "Man muss ja immer eine gewisse Rolle spielen, um in dem Business zu überleben. Sonst verlierst du deinen Job und bekommst auch keinen neuen mehr." Zwei Rücktritte zweier Weltmeister, die innerhalb von zwei Wochen aufzeigen, dass heute längst nicht nur sportliche Gründe für ein Karriereende ausschlaggebend sein müssen.

Bundestrainer Joachim Löw lobte Höwedes als "reflektierte Persönlichkeit" und "einen, der alles gibt, der einen unbedingten Siegeswillen hat". Zu Schürrles Rücktritt sagte er: "Ich ziehe den Hut vor seiner Entscheidung." Es klang in beiden Fällen so, als ob Löw großes Verständnis für die getroffenen Entscheidungen habe.

Sieben von 23: Fast ein Drittel aller Weltmeister von 2014 hat damit seine Karriere beendet. Das mag auf den ersten Blick viel erscheinen, ist aber im Vergleich zum WM-Kader von 1990 der exakte Durchschnitt. 1996, also sechs Jahre nach dem dritten deutschen Weltmeister-Titel, hatten ebenfalls sieben Weltmeister die Schuhe an den Nagel gehängt: Klaus Augenthaler, Raimond Aumann, Hans Pflügler, Paul Steiner, Günter Hermann, Frank Mill und Rudi Völler.

Und doch gibt es Unterschiede: Der WM-Kader von 1990 war insgesamt im Durchschnitt deutlich älter. Viele Spieler waren beim WM-Titel Anfang 30, beendeten mit Ende 30 ihre Karriere. Lothar Matthäus spielte noch mit 39 Jahren bei der EM 2000 mit. Stefan Reuter kickte nach dem WM-Titel noch 14 weitere Jahre, bis auch er seine Karriere beendete.

Das waren schon damals Ausnahmen, klar ? und wenn er so weitermacht wie aktuell, spielt ein Manuel Neuer in fünf Jahren, dann wäre auch er 39 Jahre alt, vielleicht noch immer in der Nationalmannschaft. Zuletzt sagte Neuer, dass er noch "große Lust" auf den Fußball habe: "Sollte Fußball für mich zur Belastung werden, mache ich es wie Philipp Lahm". Der hatte 2017 mit 33 Jahren seine Karriere beendet. Das galt damals als früher Zeitpunkt ? nun gibt es Spieler wie Schürrle, die bereits mit Ende 20 aufhören. "Diese gesellschaftliche Erwartungshaltung hat schon gedrückt, dass man bis Mitte 30 eigentlich nicht aufhören kann", sagte Schürrle bei seinem Rücktritt ? womöglich setzt hier nun ein Umdenken an.

Eigentlich bleiben von den Weltmeistern von 2014 mit Neuer, Matthias Ginter und Toni Kroos nur noch drei übrig, für die es sowohl im Verein als auch in der Nationalmannschaft richtig gut läuft. Andere sind zwar in ihren Vereinen noch erfolgreich, wurden aber in der Nationalmannschaft aussortiert (Mats Hummels, Jérôme Boateng, Thomas Müller und Sami Khedira). Spieler wie Shkodran Mustafi, Christoph Kramer und Julian Draxler könnten in der Nationalelf dabei sein, sobald es für sie in ihren Vereinen wieder besser läuft.

Dann bleibt aber noch eine Gruppe derer übrig, um die es zuletzt ziemlich ruhig geworden ist. Ron-Robert Zieler ist bei Zweitligist Hannover 96 zukünftig wohl nur noch die Nummer zwei, Kevin Großkreutz, Erik Durm oder Mesut Özil spielen in ihren Vereinen kaum noch eine Rolle. Und Lukas Podolski lässt seine Karriere im Ausland ausklingen.

Gut möglich, dass der eine oder andere von ihnen dem Beispiel von Schürrle und Höwedes zeitnah folgen wird. Über ein mögliches Karriereende von Mario Götze, nach dem Ende bei Borussia Dortmund aktuell vereinslos, spekulieren einige auch schon offen. "Wenn ich Spaß und Freude habe und mein Geist und Körper es hergeben: Warum nicht bis 36 oder 37 spielen?" sagte Götze in einem Interview vor ziemlich genau einem Jahr. "Ab 30 gehört man für viele schon zu den Älteren. Ich sehe das etwas anders."

Wie es in ihm wohl ein Jahr später aussieht? Zu den Rücktritten seiner beiden Teamkollegen hat sich Götze, guter Freund von Schürrle und seit kurzem ebenfalls junger Familienvater, bisher noch nicht geäußert.



Quelle: Sportschau



Sport Community

sport community

Werde kostenlos Mitglied im Sport Forum

Diskussionen mit Fans zu allen Sportarten und News

Wir freuen uns auf deine Beiträge!

jetzt Anmelden!

Foren und News

Alle Sportarten und mehr